Waltraud (*1928) und Alfred (*1929 † 2012) Colsman

Ehepaar Colsman mit dem Zitat: Wir leben nicht nur von der Luft, wir leben auch vom Boden, von den 20 Zentimetern da oben. In einer Handvoll Erde sind mehr Lebewesen als Menschen auf der ganzen Erde.

„Ich bin völliger Nebenschauplatz“, sagt die Dame in der gestreiften, akkurat gebügelten Bluse beim Gespräch für die „Naturschutzgeschichte(n)“ immer wieder, so, als sei es ungebührlich, dass sie und nicht ihr Mann zu Wort kommt. Häufig trifft das Team der „Naturschutzgeschichte(n)“ zu Besuch bei den Gesprächspartnern auf Gattinnen, die das Engagement ihrer Ehemänner möglich machen, indem sie sich effizient um das leibliche Wohl und um die oft großen Familien kümmern – schließlich findet viel Naturschutzarbeit in der Freizeit und damit in der Familien-Zeit statt – und indem sie ihren Männern auch bei allfälligen Konflikten und Konfrontationen die Seelen stärken. Sie bleiben aber stets unsichtbar im Hintergrund. Doch Waltraud Colsman hat ihrem Mann nicht nur unauffällig Tee und Kekse serviert und ihm den Rücken freigehalten, als er in seinem Wohnzimmer mit dem Flügel und den vielen Bücherregalen Politik machte. Sie hat aktiv mitgearbeitet und mitgedacht. Die Colsmans stehen für ein ganzheitliches Projekt, in dem gilt: „Theorie ist Praxis“. Sie wollten mit ihrem eigenen Hof beweisen, dass Landwirtschaft ohne Kunstdünger und Gift funktioniert. De facto hatte schon Waltraud Colsmans Vater in den 20er-Jahren seinen kleinen Hof ohne Gift bewirtschaftet – so wie es damals üblich war. Allerdings gab es – auch das war nicht außergewöhnlich – Tierseuchen und andere Probleme. Er kam nur über die Runden, weil er als ehemaliger Bahnbeamter und Offizier ein Ruhestandsgehalt bekam. In den folgenden Jahrzehnten kamen Gifte auf, verhießen, den Bauern das Leben leichter zu machen, und wurden zur Konvention. Gegen diese Entwicklung stemmten sich Alfred und Waltraud Colsman mit vereinten Kräften.

Foto eines alten Ehepaares, auf einer freistehenden Bank sitzend; daneben ein sitzender großer Hund.

Die Colsmans haben bewiesen, dass Biolandbau auch unter schwierigsten Startbedingungen funktioniert. Einer ihrer Söhne schrieb im Rückblick: „Die Pionier- und Aussenseitersituation, in die sich meine Eltern begeben hatten, kann man heute kaum noch ermessen.“ (Foto: Hans Colsman, 01.09.2011).

Eine weißhaarige Frau sitzt in einer etwas abgeschabten Wohnküche vor einer Wand mit Erinnerungsbildern und blättert in gesammelten Schriftstücken.

Waltraud Colsmann führt rege Korrespondenz (Foto: Gerti Fluhr-Meyer, 04.10.2013).

Foto aus den 1950er Jahren: Junges Paar in Arbeitskleidung auf einem Hof mit Taubenschlag und Ziegelhaufen; im Hintergrund Bauernhäuser, wie sie für bayerisch Schwaben typisch waren.

Waltraud und Alfred Colsman aus dem Rheinland übernahmen 1956 einen Bauernhof in Bayerisch Schwaben. Während landauf, landab die Landwirtschaft industrialisiert wurde, arbeiteten sie ohne Gift und Mineraldünger (Foto: H. Colsman, ohne Jahr).

Gesamter Beitrag in den Naturschutzgeschichte(n)

Das gesamte Interview finden Sie ab Seite 162:
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