Neue Hirten für blütenbunte Weiden
Pressemitteilung
Nr. 26/12

ANL-Fachtagung zeigt Wege zur naturschutzorientierten Beweidung
Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL macht es vor: Auf dem Lehr und Forschungsgelände in Straß bei Laufen grasen seit Kurzem zwei Wasserbüffelkühe mit ihren Kälbern sowie zwei Murnau-Werdenfelser Rinder. Die Akademie dokumentiert und untersucht, wie die extensive Beweidung die Vegetation und die Artenvielfalt der Feuchtwiesen beeinflusst. „Naturschutzorientierte, extensive Beweidung schafft und erhält arten und strukturreiche Wiesenlebensräume“, erklärt ANL Beweidungsexpertin Dr. Bettina Burkart Aicher.
In den Mittelgebirgsregionen nimmt die Zahl der Weidebetriebe und damit die Anzahl der Weidetiere kontinuierlich ab. Ohne Gegenmaßnahmen droht ein Rückgang wertvoller Naturlandschaften und ein Verlust an Biodiversität. Die ANL sieht die Lösung in einer Kombination aus finanzieller Förderung, fachlicher Beratung und praktischer Unterstützung für die landwirtschaftliche Praxis.
Im Rahmen Ihres Jahresschwerpunktes "Biodiversität – Beweidung – Biotopverbund" lud die Akademie Fachleute und Praktiker zu einem Fachsymposium mit dem Titel „Neue Hirtinnen und Hirten braucht das Land – Innovative Ansätze für die Praxis einer naturschutzorientierten Beweidung“ ein. Das Symposium fand im Akademiezentrum Raitenhaslach der Technischen Universität München statt, wo das innovative Konzept der Naturschutzhirten vorgestellt wurde. Naturschutzhirten verstehen sich als praxisnahe Vermittler zwischen Naturschutz und Landwirtschaft; sie benötigen sowohl landwirtschaftliche als auch naturschutzfachliche Kompetenzen. Im Rahmen der Diskussion wurden mögliche Aufgabenfelder, Finanzierungsmodelle und die Einführung einer zertifizierten Hirtenausbildung erörtert.
Ein weiterer Höhepunkt der Tagung waren mehrere Exkursionen, die die Praxisnähe des Konzepts verdeutlichten. Auf der Büffelweide Langenstegham zeigen Wasserbüffel und Murnau-Werdenfelser Rinder, wie durch ihre Beweidung Feuchtgebiete mit offenen Wasserflächen entstehen, die zahlreiche Vogelarten anziehen. In einer Kiesgrube des Bund Naturschutz bei Mühldorf haben 25 Jahre Ziegen und Rinderbeweidung Hänge, Bienenwände und Gehölzverbiss geschaffen; erstmals wurden dort Bienenfresser beobachtet. Der Biohof Reiserer im südlichen Landkreis Mühldorf verbindet artgerechte Mutterkuhhaltung mit Landschaftspflege und Direktvermarktung und ist damit betriebswirtschaftlich gut aufgestellt. In Burghausen tragen Wasserbüffel, Biber und eine gezielte Grabenführung zur Entwicklung einer Schwammlandschaft bei, während Tauernschecke Ziegen steile Hänge offenhalten und sowohl Einheimische als auch Besucher begeistern. Auch kommunale Flächen wie der Dorfanger Oberneukirchen wurden als besonders wertvoll für Naturschutz und Naherholung hervorgehoben.
Die zentralen Erkenntnisse der Tagung lassen sich in vier Punkte zusammenfassen. Erstens wirkt Beweidung als Motor für Biodiversität, indem sie seltene Arten fördert und strukturreiche Kulturlandschaften schafft. Zweitens ist ein stärkeres öffentliches Bewusstsein nötig; Aufklärung über die positiven Effekte der Beweidung, insbesondere in Schutzgebieten, ist unabdingbar. Drittens benötigen erfolgreiche Weideprojekte konkrete kommunale Unterstützung, etwa finanzierte Stallbauten, flexible Weideführungen und angemessene Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Zaunbetreuer. Viertens ist ein enges Netzwerk aus Landwirten, Naturschutzbehörden und Forschungseinrichtungen erforderlich, um Ideen, Ressourcen und Erfahrungen zu bündeln.
„Biodiversität, Kulturlandschaften und Naturbegeisterung brauchen Weidetiere. Eine erfolgreiche Weidenutzung wiederum braucht neue Hirtinnen und Hirten, kreative Ideen und starke Partnerschaften“, betont Dr. Bettina Burkart Aicher abschließend.
Bild: Die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln in Raitenhaslach fördert den Artenreichtum (Foto: Dr. Burkart-Aicher/ANL).
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