Fundgrube Naturschutz 48/2 – 2
Ob für das Netzwerk Forschung für die Praxis, neue Artikel oder Projekte – dafür recherchieren wir an der ANL viel im Internet. Und was wir dabei sonst noch so alles finden, möchten wir gerne mit Ihnen teilen. Viel Freude am Stöbern!
Die Fundgrube wurde zusammengestellt von Sandra Fohlmeister, Netzwerk Forschung für die Praxis.
Crowd-Funding kennt man ja bereits — eine Crowd-Taufe eventuell noch nicht. Diese neue Art der Namensgebung haben jetzt die Senckenberg Ocean Species Alliance, der Verlag Pensoft Publishers und YouTuber „Ze Frank“ zusammen ausprobiert. Der Täufling ist eine neu entdeckte Käferschnecke, die sich exklusiv auf versunkenem Holz in der Tiefsee heimisch fühlt.
Die YouTube-Kampagne fand enorme Resonanz und ergab 8.000 Namensvorschläge, aus denen das Entdeckerteam schließlich diesen auswählte: Ferreiraella populi darf sich die besondere Souterrainbewohnerin nun offiziell nennen.
Link zur YouTube-Kampagne: https://youtu.be/G7HkBBJO7ZU
Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news865605
Zum wissenschaftlichen Tiefgang das Originalpaper:
SOSA, CHEN, C., FRANK, H. et al. (2026): Ocean Species Discoveries 28–30 — new species of chitons (Mollusca, Polyplacophora) and a public naming competition. — Biodiversity Data Journal 14: e180491; https://doi.org/10.3897/BDJ.14.e180491.
Leitfäden für gelingende Kommunikation und Beteiligung gibt es viele. Die neue Umweltbundesamt-Publikation mit dem unscheinbaren Titel „Umweltpolitik im Dialog“ ist aber mal anders unterwegs. Sie widmet sich nämlich exklusiv Beteiligungsformaten für Skeptiker.
Interessant daran: Die beschriebenen Formate wurden für sechs unterschiedliche Gruppentypen entwickelt und in der Praxis erprobt. So erfährt man unter anderem, wie sich Nationalliberal-Konservative, Traditionell-Heimatbezogene und Abstiegsbedroht-Skeptische unterscheiden oder warum sich mit den Veränderungsoffenen-Prekären ein Kochworkshop anbietet, um Umwelt- und Klimathemen zu adressieren.
Lohnt sich, wenn man jenseits der „üblichen Verdächtigen“ beteiligen will.
Link zum Bericht – nicht nur für Skeptiker: https://doi.org/10.60810/openumwelt-7953
Dass die Landschaftsplanung aufgrund ihres integrativen Charakters ein starkes Instrument der Umweltvorsorge ist, weiß man. Dass sie auch ein Hebel sein kann, um die Klima- und Biodiversitätskrise in der Fläche zu bewältigen, ist eventuell noch nicht überall angekommen.
Angesichts der Brisanz dieser Themen sprechen der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) und das Bundesamt für Naturschutz im Nachgang ihrer Tagung „Mehr Landschaft wagen“ Tacheles: Mit einem expliziten Handlungsaufruf fordern sie ein konsequentes Zusammendenken von Schutz und Mehrfachnutzungen unserer Landschaften sowie integratives Denken, Planen und Handeln über sektorale Grenzen hinweg.
Link zum Handlungsaufruf: www.bdla.de/de/dokumente/bundesverband/publikationen/2299-bdla-mehr-landschaft-wagen-2026/file
Weibliche Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) im italienischen Apennin reagieren clever und sozial, wenn der Klimawandel sie in immer höhere Lagen treibt. Ein internationales Forscherteam hat den Flatterdamen nun per Radiotelemetrie nachgespürt und dabei Interessantes herausgefunden: Um mit dem knapperen Nahrungsangebot am kalten Rand ihres Verbreitungsgebietes klarzukommen, wechseln sich die Weibchen bei der Jagd ab, statt sich gegenseitig Konkurrenz zu bereiten. Als Strategien der Nahrungssuche wurden die temporale Aufteilung, Genauigkeit der Suchstellen und individueller Variation in Reichweite nachgewiesen. Molto bene!
Zum Nachlesen die Originalstudie: https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04129
Viele von uns reagieren auf Stress mit erhöhtem Bedarf an Kalorieninput. Die Mailbox läuft über, die Projektdeadline rückt näher, da ist noch die komplexe Stellungnahme zu schreiben, die man schon seit Wochen vor sich herschiebt — und schon sind die Fastenvorsätze hinüber, Schokoschublade auf!
Da tickt die schwarze Wegameise (Lasius niger) wohl anders: Eine neue Studie der Fachzeitschrift Urban Ecosystems hat herausgefunden, dass die gestresste Stadtameise deutlich mehr zuckerarme Nahrung frisst als ihre ländliche Artgenossin. Dies führen die Forscher darauf zurück, dass der Stress der Großstadt und die urbane Umgebung die Ameisen weniger wählerisch sein lässt und dazu motiviert, auf verfügbare Nahrungsquellen zurückzugreifen.
Link zur Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news865548
Link zur Studie: https://link.springer.com/article/10.1007/s11252-026-01907-7
…und noch ein Geheimtipp für Ameisen-Fans:
Mit freiem Eintritt können Forschende, Lehrende und die interessierte Öffentlichkeit nun in 3D eine digitale Datenbank von Insekten mit Fokus auf Ameisen besuchen. Erstellt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Okinawa Institute of Science and Technology (OIST), bietet AntScan einen wahren Schatz an Daten für alle Fans.
Hier geht’s zur Plattform: www.antscan.info/
Sie haben Lust auf einen Perspektivwechsel? Und keine Scheu, riskante Routen in Kauf zu nehmen? Dann ist hier unser Feierabend- oder Pausen-Zuckerl mit Gänsehauteffekt: Die Schweizer Filmschaffenden Jonas Steiner, Roman Willi und Thomas Klaper nehmen Sie mit auf Erdkrötentour, und zwar direkt „on grassroot- und Asphalt-Level“. Musikalisch passend unterlegt, ist James Bond nichts dagegen – und am Ende des sehenswerten Kurzfilms „Risky Routes“ ist der Begriff „Konnektivität“ mit Sicherheit weniger abstrakt.
Link zum Kurzfilm: https://youtu.be/ZzrhKmOvnjA







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