Im Zuge des globalen Wandels entwickeln sich viele Kalkmagerrasen von arten- und blütenreichen Pflanzengemeinschaften (a + c) zu grasdominierten Beständen (b + d). Dies führt zu einer zunehmenden strukturellen und floristischen Homogenisierung, insbesondere im Tiefland und in den unteren Lagen der Mittelgebirge Mitteleuropas. Die gezeigten Beispiele stammen aus dem Kaiserstuhl (Baden-Württemberg) und dem Diemeltal (Nordhessen/Ostwestfalen) (Fotos: a, c und d – Dominik Poniatowski; b – Thomas Fartmann).
(Dominik Poniatowski und Thomas Fartmann) Kalkmagerrasen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas, degradieren jedoch zunehmend. Haupttreiber ist Bromus erectus, ein Horstgras, das in Deutschland stark zugenommen hat. Klimawandel und Stickstoffeinträge fördern seine Dominanz, was zu struktureller Homogenisierung und Artenverlust führt. Aktuelles Management reicht nicht aus; erforderlich sind angepasste Maßnahmen wie frühe Nutzung, intensivere Beweidung oder Brennen, um die Biodiversität langfristig zu sichern.
Im Rahmen einer Wiederholungsstudie zeigten FARTMANN et al. (2025) für die Kalkmagerrasen des Kaiserstuhls (Baden-Württemberg), dass sich die Deckung der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) seit den späten 1970er-Jahren bis heute signifikant erhöht hat. Dabei wurde eine Zunahme um das 1,6- bis 2,0-Fache feststellt, insbesondere in Beständen mittlerer bis höherer Produktivität. Besonders ausgeprägt ist die Dominanz von B. erectus auf Kalkstandorten mittlerer Produktivität, wo die Art heute häufig Deckungsgrade von deutlich über 50 % erreicht. Diese Beobachtungen stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die sich in weiten Teilen Deutschlands nachvollziehen lässt, wenngleich sich die Dynamik regional unterscheidet. Das zeigen weitere Beispiele aus verschiedenen Regionen Deutschlands – darunter das Altmühltal, das Diemeltal, die Eifel, das Fulda-Werra-Bergland, der Hainich, das Mitteldeutsche Trockengebiet, die Rhön und der Teutoburger Wald (PONIATOWSKI et al. 2018; MEIER et al. 2022; ZEHM, pers. Mitteilung; eigene Beobachtungen).
In einem Übersichtsartikel von PONIATOWSKI & FARTMANN (2026) werden die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung zusammengefasst: Es mehren sich die Hinweise, dass die Ausbreitung beziehungsweise Zunahme der Art vor allem durch den Klimawandel begünstigt wird. Im Winter verschaffen mildere Temperaturen B. erectus einen entscheidenden Konkurrenzvorteil, da die Art auch zu dieser Zeit wachsen kann und somit früher als viele Kräuter und andere Gräser Biomasse aufbaut. Im Sommer profitiert sie hingegen von ihrer hohen Trockenheitstoleranz: Durch ein weitreichendes Wurzelsystem kann B. erectus Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen und erträgt dadurch auch Dürrephasen, während andere Arten stärker beeinträchtigt werden. Zusätzlich fördern hohe Stickstoffeinträge aus der Luft ihre Dominanz. Insgesamt führen diese Faktoren zu einer strukturellen Homogenisierung der Vegetation.
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