Einstieg in die Vielfalt der Wanzen – neue Literatur macht´s möglich
Die Weichwanze Grypocoris sexguttatus ist nur eine von rund 900 in Deutschland lebenden Wanzenarten, bei der es sich lohnt, sie zu entdecken. Mit dem Buch „Die Wanzen Deutschlands“ lassen sich nun endlich alle Arten leichter bestimmen (Foto: Andreas Zehm).
(Andreas Zehm und Markus Bräu) Wanzen sind eine große, ökologisch vielfältige und in vielen Fällen auch optisch attraktive Insektengruppe, bei der schon bei oberflächlicher Betrachtung schnell die Vielfalt an Körperformen, Farben, Größen und Lebensweisen auffällt. Wanzen kommen sowohl in nahezu allen terrestrischen und aquatischen Lebensräumen als auch in fast allen Höhenlagen vor. Beobachtungen gelingen leicht in verschiedensten Lebensräumen, was sich nicht zuletzt darin niederschlägt, dass einige Arten auf Citizen Science-Plattformen zu den am häufigsten registrierten Tierarten überhaupt gehören.
Wanzen sind hervorragende Indikatoren für die Artenvielfalt der Kulturlandschaft, die die beste Korrelation mit der lokalen Gesamt-Biodiversität zeigen. Es gibt auf einzelne oder wenige Pflanzenarten spezialisierte „Vegetarier“ aber auch räuberische Arten und Gemischtköstler, Rindenwanzen brauchen Pilze an Totholz. Manche Wanzen sind auf besondere (Mikro-)Habitate spezialisiert. Hinzu kommt, dass das Vorkommen anspruchsvoller Arten selbst auf nur kleinflächigen Sand- oder Kalkmagerrasen möglich ist und anzeigt, dass dort weitere für die naturschutzfachliche Bewertung relevante Kleintierarten mit ähnlichen Bedürfnissen zu erwarten sind. Zudem eignen sich Wanzen als „Fitness-Motivatoren“, um hinauszugehen, da auch beim zehnten Besuch im gleichen Biotop immer noch Überraschungen oder gar regionale Erstnachweise seltener Arten möglich sind.
Bislang war ein vertiefter Einstieg in die Welt der Wanzen nicht einfach, da nur Bestimmungsschlüssel aus der Mitte des letzten Jahrhunderts (die Bände von Eduard Wagner in der Tierwelt Deutschlands) oder in Französisch beziehungsweise Englisch vorlagen. Erstere sind teilweise fachlich überholt und boten neben wenigen Detailzeichnungen und vereinzelten Gesamtbildern nur wenig Anhaltspunkte zur Absicherung der Bestimmungsergebnisse. Mit dem im Oktober 2025 erschienenen „Jahrhundertwerk“ von NIEDRINGHAUS et al. wurde endlich die Bestimmung von in Deutschland vorkommenden Arten auch für interessierte Laien möglich. Insgesamt können zum vertieften Einstieg in Wanzen die folgenden Werke empfohlen werden:
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