Hirschkäfer gesichtet? Bitte melden!
(Anna Kanold) Hirschkäfer (Lucanus cervus) sind beeindruckende, nach Artenschutz besonders geschützte Käfer, die vor allem an lichtstehenden, wärmebegünstigten, alten Eichenwäldern, Streuobstwiesen, Gärten und in Parks vorkommen. Die Larven entwickeln sich unterirdisch drei bis acht Jahre an morschem Holz. Hauptflugzeit ist von Mitte Mai bis Mitte August, vorwiegend in der Dämmerung. Jede Meldung – auch Sichtungen von Totfunden oder Teilen von Käfern – ist für das Fauna-Flora-Habitat-Monitoring wichtig. Ab Mai 2026 erleichtert ein neues Online Meldeformular der Bayerischen Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (LWF) die Erfassung von Meldungen für alle Interessierten und Engagierten.
Der Hirschkäfer – ein beeindruckender Botschafter der Artenvielfalt
Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) gehört zu den größten und markantesten Käfern Europas. Besonders die Männchen fallen durch ihre großen, geweihähnlichen Mandibeln auf, mit denen sie Rivalen abwehren und sich gegenüber Weibchen präsentieren. Weibchen sind insgesamt kompakter gebaut und besitzen deutlich kleinere Mandibeln. Mit einer Körperlänge von bis zu 7,5 cm sind Hirschkäfer ein eindrucksvolles Naturerlebnis.
Lebensraum, Lebenszyklus und Verhalten
Hirschkäfer bevorzugen lichte, wärmebegünstigte alte Eichenwälder, Streuobstwiesen, Alleen, Gärten mit alten Obstbäumen (besonders Kirschbäume) und Parks. Der Lichtstand bringt Bodenwärme mit sich und ist für die Larvenentwicklung ebenso wichtig wie alte Bäume und Totholz, da sich die Larven unterirdisch von abgestorbenen Wurzeln oder anderem morschen Holz ernähren. Hier leben die Larven drei bis acht Jahre, bis sie nach der Verpuppung als Käfer an die Erdoberfläche kommen. An Bäumen mit Wunden, aus denen Baumsaft austritt, sammeln sich die Käfer – dort tummeln sich auch zahlreiche andere Insektenarten. Der energiehaltige Trunk ist für die Reifung der Spermien und Eizellen wesentlich.
Die Imagines (adulten Käfer) sind in der warmen Jahreszeit aktiv, ihre Hauptflugzeit reicht von Mitte Mai bis Mitte August, wobei sie bevorzugt in der Dämmerung fliegen.
Schutzstatus und Bedeutung
Der Hirschkäfer ist nach Artenschutzrecht (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz) besonders geschützt und im Anhang II der Fauna Flora Habitat Richtlinie gelistet. Als Schirmart steht er für lichte, wärmebegünstigte, alte Laubwälder, wofür unter anderem bundesweit ein Monitoring mittels Citizen Science durchgeführt wird. Die Zivilgesellschaft wird damit zum wichtigen Helfer des Artenerhalts.
Mithilfe: gewusst, wie?!
Die Datenerhebung zum Hirschkäfer aktiv zu unterstützen ist wertvoll und einfach zugleich: Jede Beobachtung trägt zum verbesserten Wissensstand über Verbreitung und Entwicklungsverlauf bei. Wer dem Hirschkäfer begegnet, sollte Folgendes notieren:
Gefundene Tiere sind am Fundort zu belassen oder an einen sicheren Ort in der Nähe zu setzen.
Ab Mai 2026 stellt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ein neues Online Meldeformular zur Verfügung (URL 1). So lassen sich Fundmeldungen dauerhaft und einfach bayernweit erfassen. Das Formular setzt die wegweisende Arbeit der bisherigen Webseite hirschkaefer-suche.de fort.
Weitere Informationsmaterialien
Das neue Merkblatt „Hirschkäfer erkennen und schützen“, das Bestimmungsmerkmale, Verwechslungsarten, Hinweise zum Lebenszyklus und praktische Schutzmaßnahmen zusammenfasst, kann außerdem kostenfrei bei der LWF bestellt oder online auf der genannten Seite heruntergeladen werden. Weitergeben an Interessierte ist ausdrücklich erwünscht!
Warum Ihre Mithilfe zählt
Der Erhalt des Hirschkäfers hängt wesentlich von intakten Lebensraumstrukturen wie alten Bäumen und Totholz ab. Durch dokumentierte Beobachtungen wird die Bestandsüberwachung verbessert, Gefährdungsursachen lassen sich leichter erkennen und Schutzmaßnahmen gezielter planen.
Jede Beobachtung hilft, den Hirschkäfer als eindrucksvollen Botschafter unserer Wälder zu bewahren.
Weitere Informationen
URL 1: www.lwf.bayern.de/hirschkaefer (hier sind ab Mai 2026 das Meldeformular und das Merkblatt verlinkt)
Autorin
Anna Kanold
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
Abteilung 6 Biodiversität und Naturschutz
Anna.kanold@lwf.bayern.de
+49 8161 4591-617
Anna Kanold (2026): Hirschkäfer gesichtet? Bitte melden! – Anliegen Natur 48/2; www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/hirschkaefer/.

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