Tagungsrückblick: Mehr Bildung, mehr Bewusstsein, mehr Biodiversität im Garten!
Blick in einen staudenreichen Naturgarten mit vielen heimischen Blühpflanzen (Foto: Stephanie Millonig)
(Michaela Spindler) Gärten bergen ein enormes Potenzial für die Artenvielfalt. Die Fläche aller bayerischen Privatgärten nimmt schätzungsweise 135.000 Hektar ein. Damit ist sie fast so groß wie die Fläche aller bayerischen Naturschutzgebiete. Sie wird von etwa zwei Millionen Menschen bewirtschaftet (STMELF 2021). Wie das Potenzial ausgeschöpft werden kann, wie Zielgruppen besser zu erreichen sind und was es dazu an Unterstützung braucht – diese Fragen standen am 13. März im Mittelpunkt der Fachtagung „Natur im Garten: Ökologisch, soziologisch, ökonomisch“ am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg.
Zahlreiche Institutionen und Verbände setzen sich mit dem Thema „Biodiversität in Gärten“ tagtäglich auseinander. Ziel der Veranstaltung war es daher, die Vernetzung zwischen den Akteuren zu stärken und den aktuellen Forschungsstand zum Thema abzubilden. Die Tagung fand im Rahmen des 2021 im Bayerischen Artenschutzzentrum am LfU gestarteten Projekts „gArtenvielfalt“ statt.
Beiträge aus Wissenschaft und Praxis
Drei Fachvorträge lieferten aktuelle Einblicke in Forschung und Praxis: Die Wahrnehmung von Insekten im urbanen Raum stellte Dr. Marion Mehring vom Projekt „Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität (SLInBio)“ des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) vor. Annette Berger vom Blühpakt des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz referierte zu heimischen Wildpflanzen für Insekten. Naturgartenbauer David Seifert zeigte Trends in Naturgärten auf. Im Anschluss diente ein „World Café“ als zentrale Austausch- und Informationsplattform. An mehreren Stationen diskutierten die Teilnehmenden lebhaft zu heimischen Wildstauden, „Schädlingen“ und Störenfrieden, der Nachfrage nach Naturgärten, Gärtnerinnen- und Gärtnertypen sowie persönlichen Motivationsressourcen.
Ergebnisse des World Cafés
Die Diskussionsrunden des World Cafés waren sich erstaunlich einig: Um Biodiversität in Gärten besser fördern zu können, ist mehr Bewusstsein und zielgruppengerechte Kommunikation gefragt. Das waren die Ergebnisse im Einzelnen:
- Heimische Wildstauden per Storytelling: Welche Ansprüche weist die Pflanze auf, welche Lebewesen sind von ihr abhängig, wie kann sie verwendet werden? Positive, inspirierende Geschichten rund um naturnahe Gärten sind in Zeiten vieler Krisen notwendig, um Mut zu machen und ihn zu bewahren.
- Motivationsbooster: Nicht nur nach außen hin, auch nach innen gerichtet ist es notwendig, sich Mut zu machen. Denn – so die einhellige Meinung der Tagungsteilnehmenden – nur so lässt sich die Motivation aufrechterhalten. Sich auf das Gelingende zu fokussieren und Erfolge zu feiern, sind hierbei wesentlich. Andererseits helfen Netzwerke, ein „Miteinander“ aufzubauen – zum gemeinsamen Schutz der Biodiversität im urbanen Raum.
- Mit gutem Beispiel voran: Mit guten Beispielen von Naturgärten lassen sich gestalterische Aspekte Gärtnerinnen und Gärtner können zeigen, dass es sich nicht um ungepflegte Flächen handelt, wenn mehr Natur in den Garten Einzug halten darf. Der Designfaktor zählt gerade bei der zielgruppengerechten Ansprache unterschiedlicher Gärtnerinnen- und Gärtnertypen: Ansprechend gestaltete Wildstaudenbeete und Naturkunstwerke können vom Wert der Biodiversität in Gärten überzeugen.
- Verständnis rund ums Jahr: Nicht nur die Ästhetik spielt eine Rolle, um die Akzeptanz gegenüber Naturgärten zu steigern. Es ist ebenso wichtig, für die Übergangszeiten zu sensibilisieren, in welchen der Gärten weniger üppig grünt und blüht. Verständnis für noch ungewohnte Gartenpraktiken muss wachsen. Führungen durch Naturgärten in Herbst und Winter helfen dabei.
- Schritt für Schritt: Neueinsteigende können „klein“ anfangen. Es ist wichtig, überhaupt den ersten Schritt zu wagen, etwa eine „Wilde Ecke“ zu belassen, ein paar mehr heimische statt exotische Pflanzen einzubringen oder seltener zu mähen. So tastet man sich Schritt für Schritt an mehr Natur heran. Ehrenamtliche oder nebenberuflich tätige Naturgartenbegleitungen und -ranger können den Ein- und Umstieg für Interessierte erleichtern.
Fazit
Zentrales Ergebnis der Tagung war, dass es mehr Bewusstseinsbildung für Biodiversität und ökologische Zusammenhänge in Gärten in allen Alters- und Bildungsgruppen braucht. Dies ist durch gestärkte Aus- und Fortbildung sowie zielgruppengerechte Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen. Akteurinnen und Akteure aus dem (Natur-)Gartenbereich sollten sich überdies besser vernetzen. Die Tagung bot hierzu die notwendige Plattform und soll in 2028 wiederholt werden.
Weitere Informationen:
- StMELF (= BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN; 2021): Der Gartenbau in Bayern 2020 Nr. 08022021, 3. aktualisierte Auflage, München.
- Projekt SLInBio: isoe.de/projekt/slinbio-st%C3%A4dtische-lebensstile-und-die-inwertsetzung-von-biodiversit%C3%A4t-libellen-heuschrecken-hummeln-und-co
- Blühpakt Bayern: bluehpakt.bayern.de/partner/allianz/projekt-heimatpflanzen.htm
- Naturgartenbau David Seifert (Naturgartenexperten): https://naturgarten.org/ueber-uns/fachbetriebe/
- Projekt gArtenvielfalt: lfu.bayern.de/natur/bayaz/gartenvielfalt/index.htm
Autorin
Michaela Spindler
Bayerisches Landesamt für Umwelt
artenschutzzentrum@lfu.bayern.de
Michaela Spindler (2026): Tagungsrückblick: Mehr Bildung, mehr Bewusstsein, mehr Biodiversität im Garten! – Anliegen Natur 48/2; www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/gartentagungsrueckblick/.
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