Literaturauswertung: Neues zur tier- und insektenschonenden Mahd
Bei den Insekten fehlt einfach der „knopfäugige Sympathieträger“: Ein Rehkitz ist wohl das bekannteste Opfer der Mahd. Es gibt jedoch erfreulich viele Bemühungen in der Landtechnik, auch den Verlust von Insekten bei der Mahd zu reduzieren (Foto: Wolfram Adelmann).
Wolfram Adelmann und Bernhard Hoiß
https://doi.org/10.63653/yjqt2552
Vor elf Jahren fassten VAN DE POEL & ZEHM (2014) die Auswirkungen des Mähens auf die Wiesenfauna zusammen. Es ist daher an der Zeit, diese Literaturauswertung zu aktualisieren: Welche Entwicklungen haben sich in der tierschonenden Mahd vollzogen, welche technischen Neuerungen wurden eingeführt? Und welche aktuellen Forschungsergebnisse gibt es? Im Fokus des Artikels stehen insektenschonende Mähtechniken, darunter ein speziell entwickelter Mähkopf zur Pflege von Straßengrün sowie neue Vergrämungsvorrichtungen wie Metallstangen, Streifen aus Planen oder Luftdüsen. Zudem betrachten wir eine Studie kritisch die zeigt, dass Doppelmesser-Balkenmäher und Scheibenmäher (ohne Aufbereiter) – entgegen der weit verbreiteten Annahme – vergleichbare Verlustraten aufweisen. Abschließend stellen wir aktuelle Empfehlungen vor, wie die Mahd tierschonender gestaltet werden kann.
Summary
Literature review: New developments in animal- and insect-friendly mowing
Eleven years ago, VAN DE POEL & ZEHM (2014) summarized the effects of mowing on meadow fauna. It is therefore time to update this literature review: What developments have taken place in animal-friendly mowing, what technological innovations have been introduced, and what are the latest research findings? The article focuses on insect-friendly mowing techniques, including a specially developed mowing head for maintaining roadside vegetation and new deterrent devices such as metal rods, strips of tarpaulin, and air jets. We also take a critical look at a study that shows that, contrary to widespread belief, double-blade bar mowers and disc mowers (without conditioners) have comparable loss rates. Finally, we present current recommendations on how mowing can be made more animal-friendly.
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Anliegen Natur 48/1 (2026): 14 Seiten als Volltext herunterladen (pdf barrierefrei 2,7 MB).
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Der Artikel ist sehr interessant. Aber ich vermisse einen Aspekt.
Für extensive Flächen wurde mir vor längerer Zeit empfohlen, die Mahd (wenn 1x jährlich) im Jänner oder Februar durchzuführen. Dies hätte neben längerer Deckung für Säugetiere im Herbst auch wesentliche Vorteile für Insekten.
Stimmt das nicht oder wurde der Aspekt nicht geprüft?
Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Hierzu unsere Stellungnahme:
Wenn Sie im Januar/Februar mähen, haben Sie eigentlich fast keinen nennenswerten Austrag von Biomasse/Nährstoffen aus der Fläche. Das müssten dann schon Volltrockenrasen oder sehr nährstoffarme Magerrasen sein, also extrem nährstoffunterversorgte Flächen. Einen landwirtschaftlichen Ertrag oder verwertbares Grüngut erhalten Sie auf solchen Flächen nicht. Auf den genannten Magerrasen ist eine „Mahd“ im Januar/Februar dann eigentlich nur das Verhindern von mittelfristigen Verfilzungen bzw. Verbrachung. Das ist in diesem Fall tatsächlich sinnvoll, aber solche Flächen sind sehr genau zu beobachten, ob der geringe Austrag reicht, die Vegetation zu erhalten. Meiner Einschätzung nach (auch durch hohe Luftnährstoffeinträge) wird eine Sommernutzung (in diesem Fall Beweidung) zusätzlich notwendig sein, um den Lebensraum zu bewahren. Diese sehr nährstoffarmen Bestände haben wir in unserem Artikel nicht im Fokus gehabt, deshalb vermissen Sie wahrscheinlich diesen Hinweis.
Sie haben recht, wenn Sie schreiben, dass eine Mahd im Januar/Februar Vorteile für die Insekten mit sich bringt. Hierzu ein Artikel (Forschungsauftrag durch die ANL) zur Vornutzung (Frühmahd oder Frühweide), diskutiert aus Sicht der Insekten:
https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/vornutzung-artenreiches-gruenland/
Darin finden Sie eine Jahresverteilung der Insektenentwicklung und den „Impact“ einer Mahd. Auch im Januar/Februar gibt es Nachteile für bestimmte Entwicklungsstadien (das Entfernen der Streuschicht entfernt einige überirdisch überwinternde Insekten und reduziert sowohl den Schutz vor starken Frösten als auch vor schneller Erwärmung → zu frühes Schlüpfen oder Aktivwerden von überwinternden Stadien). Jeder Zeitpunkt, bringt für bestimmte Entwicklungsstadien Nachteile mit sich.
Natürlich wäre die Entwicklungszeit im Sommer ohne Mahd optimal für Insekten (siehe Artikel Angerer), aber für den größten Teil des Grünlandes würde der Nährstoffaustrag nicht reichen, d. h. Sie würden mittelfristig eine Veränderung der Vegetation bewirken und somit zu einer Lebensraumveränderung beitragen. Somit auch zu einem Rückgang/zu einer Veränderung der Insektenvielfalt.
Die gestaffelte Mahd oder Insektenschutzstreifen sind im ertragsorientierten Grünland die ideale Ergänzung:
https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/insektenschutzstreifen-broschuere/
Wir hoffen, Ihre Anfrage zufriedenstellend beantwortet zu haben. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung!
Herzliche Grüße
Dr. Wolfram Adelmann
Dr. Bernhard Hoiß
Sie haben in Ihrem Artikel die Auswirkungen der Mahd auf die Insektenvielfalt untersucht bzw. thematisiert, äussern sich aber in Ihrer obenstehenden Antwort zum Aspekt des Nährstoffaustrages. Das ist ein ganz anderes Thema, das leider von Meinungen dominiert wird. Auch Ihre Äusserung scheint mir auf einer Meinung zu beruhen. Oder haben Sie dazu Untersuchungen gemacht oder Literaturangaben? Der Nährstoffaustrag durch die Mahd ist nämlich im Verhältnis zum Nährstoffeintrag aus der Luft und vor allem zu den Vorräten bzw. dem Nachlieferungsvermögen im Boden praktisch vernachlässigbar. Wesentlich dagegen ist die Beschattung und Verfilzung, die v.a. bei nährstoffreicheren Beständen bei fehlender Mahd oder ungeeigneten Mahdzeitpunkten (z.B. bei zu früher Mahd im Herbst bei wüchsigeren Beständen) durch den Pflanzenfilz entsteht, den viele empfindlichen Pflanzenarten nicht lange überleben.