Neu geschaffene Lebensräume helfen dem Laubfrosch

Neu angelegte Laichgewässer werden nachweisbar gut vom Laubfrosch angenommen und helfen, die Populationen zu stabilisieren (Foto: Christoph Flory).
(MO) Laubfrösche besiedeln schnell und zahlreich neu angelegte Tümpel und nutzen sie zur Fortpflanzung. Als Ergänzung zu natürlichen Laichgewässern bieten diese Ersatzbiotope dem bedrohten Lurch auch in stark fragmentierten und intensiv bewirtschafteten Landschaften gute Überlebenschancen. Dabei erfolgt die Kolonisierung überwiegend aus dem Nahbereich, doch auch Wanderstrecken bis über 5 km sind zu beobachten.
Wie zahlreiche andere Wildtiere ist auch der Laubfrosch (Hyla arborea) von der fortschreitenden Zersiedelung der Landschaft betroffen: Teiche und Tümpel werden verfüllt, Hecken gerodet, neue Straßen und Siedlungen gebaut. Der daraus folgenden Habitat-Fragmentierung versuchen Naturschützer durch die Anlage künstlicher Tümpel und deren Vernetzung mit natürlichen Laichgewässern entgegenzuwirken. Ob diese aufwendige Schutzmaßnahme wirklich hält, was man sich von ihr verspricht? Das untersuchte eine Gruppe von Biologinnen und Biologen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Unteren Reusstal im Schweizer Aargau. Obwohl die rund 40 km2 große Fläche dicht besiedelt und intensiv bewirtschaftet ist, zählt sie zu den wenigen Gebieten der Schweiz, in denen der Laubfrosch noch größere Vorkommen aufweist. „Die Region steht seit vielen Jahren im Fokus des lokalen Naturschutzes. Bei der dortigen Bevölkerung gibt es eine hohe Akzeptanz für den Laubfrosch und eine große Bereitschaft, sich an seinem Schutz zu beteiligen“, betont Studienleiterin Dr. Janine Bolliger.
Mit ihrer Arbeit knüpft die WSL-Forscherin an eine tiefgehende-Studie aus dem Jahr 2006 an: Damals waren alle 21 Laichgewässer im Studiengebiet erfasst und sämtliche darin aufgefundenen Laubfrösche genetisch analysiert worden. In den folgenden zwei Jahren hatte man fünf zusätzliche Wasserstellen mit einem Durchmesser von 5 bis 10 m angelegt. An diesen neu geschaffenen Laichtümpeln fingen Janine Bolliger und ihre Kolleginnen im Frühjahr 2009 sämtliche Laubfrösche ab und unterzogen sie einem Gentest – ausgehend von Speichelproben, die mit Wattestäbchen aus den Froschmäulern entnommen wurden. Durch diesen für die Tiere harmlosen Eingriff erhielten die Forschenden von jedem Tier ein individuelles Genprofil und konnten es mit den genetischen Daten vergleichen, die 3 Jahre zuvor erfasst worden waren.
„Durch die erneute genetische Untersuchung konnten wir also nachvollziehen, von woher die neuen Biotope besiedelt wurden“, erklärt Janine Bolliger. 30 der insgesamt 85 Laubfrösche, die an den neu angelegten Wasserstellen aufgegriffen wurden, ließen sich anhand ihrer DNA-Profile mit hoher Wahrscheinlichkeit einem bestimmten Heimattümpel zuordnen. Zwei Drittel dieser Kolonisten stammte aus Gewässern im Umkreis von 500 m, das restliche Drittel hatte dagegen Entfernungen bis zu 2.500 m zurückgelegt. Drei Individuen überboten selbst diese Marke; der Rekord lag bei 5.400 m. Die Zahlen belegen, dass einige Laubfrösche von weither kommen und nicht unbedingt nur vom nächstgelegenen Tümpel. Diese wenigen Tiere durchmischen den Genpool über größere Distanzen.
Die Auswertung der genetischen Daten brachte eine weitere Überraschung: Vier Individuen stammten nachweislich vom anderen Ufer der Reuss, die hier 25 m breit ist. „Größere Flüsse wirken also nicht unbedingt als Barriere“, sagt Janine Bolliger und zieht folgendes Fazit: „Offensichtlich ist die Landschaft auch im stark fragmentierten Schweizer Mittelland für einige Arten doch relativ durchlässig. Siedlungen, Straßen und Flüsse bilden zwar Barrieren, aber weniger strikt als man das eigentlich erwartet. Das sehen wir auch bei anderen Amphibien, wie zum Beispiel bei Molchen oder Kreuzkröten. Sie alle profitieren von Ersatzbiotopen, die ihre natürlichen Habitate ergänzen und vernetzen.“ Das sind gute Nachrichten für Laubfrosch & Co. – und ermutigende Ergebnisse für den Naturschutz.
Mehr:
Le Lay, G. et al. (2015): Increasing Pond Density to Maintain a Patchy Habitat Network of the European Treefrog (Hyla arborea). – Journal of Herpetology 49(2): 217–221.
Zitiervorschlag: Offenberger, M. (2015): Neu geschaffene Lebensräume helfen dem Laubfrosch. – ANLiegen Natur 37/2; www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/laubfrosch/.