Biodiversität im Grünland: Erfolgsprofile aus Beratung und Betrieben
(Sonja Hölzl) Um Biodiversität im Grünland zu erhalten, braucht es Betriebe, die sich dort engagieren, ebenso wie Personen, die das Wissen und die Motivation dazu vermitteln. Doch welche Faktoren führen dazu, dass Biodiversitätsmaßnahmen im Grünland auch umgesetzt werden?
Als Teil eines Promotionsprojektes an der Universität Hohenheim wollte man in einer Umfrage deshalb aus der Perspektive der Beratung wissen: Was macht eine gute Beratung aus? Und was macht Landbewirtschaftende aus, die gut darin sind, Biodiversität zu erhalten? Teilgenommen haben 112 Beratende an Landschaftserhaltungs- und -pflegeverbänden, den unteren Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden in Bayern sowie Baden-Württemberg.
Die Befragten berieten Landwirtinnen und Landwirte seit 0–3 Jahren (34 %), über 4–9 Jahre (42 %), 10–15 Jahre (11 %) beziehungsweise 16–20 Jahre (2 %) bis hin zu über 20 Jahren (11 %). Für fast alle Beratende ist ein Kompromiss zwischen betrieblichen Möglichkeiten und Naturschutz das Ziel. Auch gehört für sie zur Beratung, die Erfahrungen der Landbewirtschaftenden anzuhören und wiederum an weitere Beteiligte weiterzugeben. Überdies zielt die Beratung darauf ab, das Verständnis für den Erhalt von Biodiversität bei den Betrieben zu fördern.
Was macht eine gute Beraterin/einen guten Berater im Naturschutz aus?
Hier wurde ein ganzes Spektrum an Eigenschaften genannt, die sich auf Fachwissen, den Beratungsablauf an sich, die Interaktion während der Beratung, als auch auf persönliche Eigenschaften der Beratenden bezogen.
An herausragender Stelle genannt wurde landwirtschaftliches Wissen, gefolgt von biologischen Kenntnissen und Fachkenntnissen allgemein. Gute Beratende schaffen es darüber hinaus, einfache Erklärungen zu finden und Wissen angepasst zu vermitteln. Kompromissbereitschaft und Lösungsorientierung galten mit am häufigsten als relevante Charakteristika aus Sicht der Befragten. Zuhören und ein echtes Interesse am Gegenüber gehörten ebenso zu den wichtigsten Aspekten einer guten Beratung. Dies beinhaltet Verständnis und Empathie für die individuelle Situation der Landbewirtschaftenden, Anerkennung und Respekt sowie einen Dialog auf Augenhöhe.
Generell beinhaltet eine gute Beratung offene und direkte sowie ehrliche Kommunikation. Das äußert sich darin, ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Betrieben aufzubauen. Gute Beratende zeigen Kontaktfreude und beziehen den Betrieb in ihre Maßnahmen ein, ohne dabei Naturschutzziele zu vernachlässigen.
Was kennzeichnet Landbewirtschaftende, die gut im Erhalt von Biodiversität sind?
Die Antworten umfassten grundsätzlich Fähigkeiten, Denkweisen und Werte, persönliche Eigenschaften sowie Betriebsstrukturen.
An erster Stelle benannt wurde dabei Interesse an der Natur sowie Aufgeschlossenheit gegenüber dem Naturschutz. Mut und Offenheit für neue Wege war eine weitere der am häufigsten genannten Eigenschaften. Darüber hinaus sind Landbewirtschaftende, die artenreiches Grünland erfolgreich erhalten, naturverbunden und bringen der Natur generell eine Wertschätzung entgegen. Traditionsbewusstsein, zum Beispiel als Motivator, um Kulturlandschaft zu erhalten, wurde als Eigenschaft bei den Landbewirtschaftenden wahrgenommen, ebenso wie ein gewisser Idealismus, den solche Landwirtinnen und Landwirte besitzen. Betont wurde darüber hinaus die Kooperations- und Kompromissbereitschaft (ohne weitere Ausführungen).
Aus Sicht der Beratenden sind auch Artenwissen und ein Verständnis für ökologische Zusammenhänge relevante Faktoren, also etwa, was bestimmte Arten benötigen oder wie man für diese Arten das Grünland bewirtschaften muss. Weniger häufig wurde die Orts- und Flächenkenntnis herausgestellt.
Viele Betriebe, die Biodiversität erhalten, kennzeichnet das Wirtschaften im Nebenerwerb oder ein Bewirtschaftungskonzept, das eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie schafft. Grundsätzlich sollte ein Betrieb extensive Pflege integrieren können und flexibel sein, um die Bewirtschaftung anzupassen. Solche Betriebe sind gemäß der Umfrageergebnisse nicht auf hohe Erträge angewiesen (finanzielle Sicherheit) und verfügen über Verwertungsmöglichkeiten des Grünguts.
Die Umfrageergebnisse geben einen ersten Überblick über die Naturschutzberatung in Bayern und Baden-Württemberg. Sie dienen als Grundlage für tiefergehende, qualitative Interviews und deren Auswertung. Im Zuge des weiteren Forschungsvorhabens sollen Erfolgsfaktoren identifiziert werden, die dazu führen, dass Wissen zu biodiversitätsfreundlichen Maßnahmen weitergegeben wird und diese auch umgesetzt werden.
Autorin
Sonja Hölzl, Universität Hohenheim
sonja.hoelzl@uni-hohenheim.de
Sonja Hölzl (2026): Biodiversität im Grünland: Erfolgsprofile aus Beratung und Betrieben. – Anliegen Natur 48/2; www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/beraterumfrage/.

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